NDC mit Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet

Netzwerk für Demokratie und Courage für wirkungsvolle Arbeit gegen Antisemitismus und Rassismus ausgezeichnet

Nürnberg/Stuttgart
Am 10. März 2019 wurde dem auch in Baden-Württemberg sehr aktiven Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. (NDC) im Staatstheater in Nürnberg im Rahmen der zentralen Eröffnungsfeier zur „Woche der Brüderlichkeit“ die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte in seiner Eröffnungsrede die „enorm wichtige Arbeit zivilgesellschaftlicher Gruppen im Kampf gegen Antisemitismus“ und gratulierte den diesjährigen Preisträgern ganz herzlich. Mit der Medaille wurde das NDC für die jahrelange Arbeit der freiwillig engagierten und hauptamtlichen Mitarbeitenden ausgezeichnet, die sich für mehr Zivilcourage und ein demokratisches Miteinander in unserer Gesellschaft einsetzen.


Diese Auszeichnung, die in den letzten Jahren bereits an so namhafte und bekannte Personen wie Leah Rabin, Daniel Libeskind, Micha Brumlik und – im vergangenen Jahr – an Peter Maffay verliehen wurde, sei für das NDC eine große Ehre, so der Vorsitzende des NDC, Ralf Hron, bei der Entgegennahme des Preises. Er verstehe die Auszeichnung als „Auftrag zum Weitermachen“ und sei sich sicher, dass diese insbesondere in Zeiten einer erstarkenden Rechten und damit einhergehend der Zunahme von antisemitischen, rassistischen und weiteren menschenverachtenden Vorfällen, die freiwillig engagierten und hauptamtlichen Mitarbeitenden motiviere, weiterhin mit viel Energie zu den Themen Rassismus, Antisemitismus und Zivilcourage zu arbeiten.


Auch die Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung (LAGO), die in Baden-Württemberg als Träger des NDC fungiert, freut sich über den Preis. Das sei ein deutliches Signal und eine wichtige Rückenstärkung für die Arbeit gegen abwertende und menschenverachtende Haltungen. Denn solches Engagement werde immer wieder als einseitig politisch motiviert oder gar „extremistisch“ diffamiert und in Frage gestellt.


In Baden-Württemberg sind derzeit etwa 70 freiwillig engagierte junge Menschen im NDC aktiv, die jedes Jahr insgesamt rund 200 Projekttage an Schulen im Land zu Themen wie Vorurteile, Diskriminierung, Rassismus, Flucht und Asyl sowie Antisemitismus durchführen. Ziel der Projekttage ist es, Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu mehr Zivilcourage und demokratischem Handeln zu ermutigen. Nachdem es 10 Jahre lang als rein ehrenamtlich organisiertes Netzwerk agierte,
wird das NDC hier im Land seit 2012 mit Mitteln des Ministeriums für Soziales und Integration und damit einhergehend einer hauptamtlichen Teilzeitstelle zur Unterstützung der freiwillig engagierten jungen Menschen im Netzwerk gefördert. Weitere Kooperationen mit der DGB-Jugend, der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, dem Jugendzentrum in Selbstverwaltung „Friedrich Dürr“ in Mannheim und der GEW tragen ebenfalls zur Absicherung der Arbeit des NDC bei.


Neben Baden-Württemberg ist das NDC noch in elf weiteren Bundesländern sowie in Frankreich und Österreich aktiv und bildet dort freiwillig engagierte Menschen als Teamerinnen und Teamer zur Durchführung von Projekttagen und Seminaren an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen aus.


Gemeinsam mit dem NDC wurde die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) ausgezeichnet. Die Verleihung fand im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit unter dem Motto „Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindlichkeit“ statt. Die Buber-Rosenzweig-Medaille wird seit 1968 durch den Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verliehen.
Gerne stehen wir Ihnen für Fragen und weitere Auskünfte zur Verfügung

Netzwerk für Demokratie und Courage

Das Netzwerk für Demokratie und Courage entstand 1999 in Sachsen mit dem Ziel, neonazistischen und menschenverachtenden Einstellungen durch antirassistische Bildungsarbeit in Schulen entgegenzuwirken. Seit 2002 gibt es das NDC auch in Baden-Württemberg und es ist heute in zwölf Bundesländern (Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg) sowie in Belgien, Frankreich und Österreich (im Aufbau) aktiv. Durch enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Landesnetzstellen, gemeinsamen Qualitätsvereinbarungen und bundeseinheitlichen Konzepten schafft es das NDC seit Jahren wertvolle Präventionsarbeit an Schulen und in Jugendgruppen im außerschulischen Bereich zu leisten. Bei allen angebotenen Projekttagen verfolgt das NDC die fünf grundlegenden Ziele

  • Informationen zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen,
  • Menschen Mut zu machen sich zu äußern,
  • klar gegen rechte und menschenverachtenden Meinungen aufzutreten,
  • Solidarität mit Betroffenen von menschenverachtenden Einstellungen zu zeigen
  • und zum couragierten Handeln im Alltag zu motivieren.

Das NDC ist der älteste zivilgesellschaftliche Akteur in Baden-Württemberg, der für Jugendliche kostenlose Projekttage in Schulen und Jugendeinrichtungen durchführt. Aus dem bundesweiten Programm bietet das NDC in Baden-Württemberg zur Zeit drei Projekttage an: den Projekttag A „Alles nur Bilder im Kopf?!“ mit den Schwerpunkten Diskriminierung, von Rassismus betroffenen Menschen und couragiertes Handeln, den Projekttag B „Das WIR macht den Unterschied!“ zu den Themen Diskriminierung, Gerechtigkeit, Klassismus, solidarischem Miteinander und couragiertes Handeln, und den Projekttag C „Das wird man wohl noch sagen dürfen!“ zu den Themen Neonazismus, menschenverachtende Einstellungen und couragiertes Handeln. Diese Projekttage können von Schulen und anderen Jugendeinrichtungen kostenlos gebucht werden und werden für Jugendliche ab 14 Jahren angeboten.

Des Weiteren gibt es in Baden-Württemberg zwei regionalspezifische Angebote. So wird in der KZ-Gedenkstätte Mannheim-Sandhofen in Kooperation mit dem Stadtjugendring Mannheim und dem Verein KZ-Gedenkstätte Mannheim-Sandhofen e.V. ein Projekttag zur Geschichte des KZ Mannheim-Sandhofen und der Bedeutung von Gedenkstätten durchgeführt (Projekttag G „Eine Schule als KZ“). In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung hat das NDC im Jahr 2017 ein Modellprojekt für die offene Jugendarbeit konzipiert und seitdem sowohl offene Module für Jugendliche, als auch einen Workshop für Fachkräfte der offenen Jugendarbeit im Angebot.

Die Projekttage können über die Homepage des Netzwerks für Demokratie und Courage direkt gebucht werden:

http://www.netzwerk-courage.de/web/Projekttage-385.html

Neben der LAGO als Trägerin des Projektes arbeitet das NDC in Baden-Württemberg noch mit einer Reihe weiterer Kooperationspartner*innen zusammen: der DGB-Jugend Baden-Württemberg, der GEW Baden-Württemberg, der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, der Karl-Kloß-Jugendbildungsstätte in Stuttgart und dem Jugendzentrum in Selbstverwaltung „Friedrich Dürr“ in Mannheim.